Sie sind die heimlichen Stars der Küste: Schafe gehören in Schleswig-Holstein seit Jahrhunderten zur Landschaft. Sie helfen dabei, Flächen offen zu halten, schaffen Lebensräume für Vögel und Insekten, pflegen die Deiche und leisten mit beweidetem Grünland einen Beitrag zum Klimaschutz. Gleichzeitig liefern sie Fleisch, Milch und Wolle. Mit rund 200.000 Schafen gehört Schleswig-Holstein zu den schafreichsten Bundesländern Deutschlands. Rund 70 % davon leben an der Westküste und sorgen dort mit ihren Klauen und ihrem Verbiss für den Schutz gegen Sturmfluten.
Dabei ist die Haltung von Schafen und Ziegen im Norden äußerst vielfältig. Große Schäfereien, kleine Familienbetriebe, engagierte Züchter und Hobbyhalter kümmern sich um Tiere, die perfekt an die besonderen Bedingungen von Marsch, Geest und Küste angepasst sind.
Aber nicht nur die Menschen, die Schafe halten, unterscheiden sich, auch die Tiere selbst zeigen eine beeindruckende Bandbreite. Allein in Schleswig-Holstein werden über 40 verschiedene Schafrassen und rund 10 Ziegenrassen gezüchtet. Jede Rasse bringt ihre besonderen Qualitäten mit – von robusten Deichbewohnern bis zu Ziegen mit edlem Charakter.
Auf der Norla präsentiert der Landesverband Schleswig-Holsteinischer Schaf- und Ziegenzüchter e.V. diese Vielfalt. Besucher können hier zahlreiche Rassen entdecken, Fragen stellen und mehr über die Arbeit mit den Tieren erfahren.
So idyllisch die Arbeit mit den Tieren auch aussieht – die Herausforderungen für die Halter sind groß. Besonders der Wolf bereitet den Betrieben große Sorgen, denn der Herdenschutz stößt an seine Grenzen. Schafe sollen möglichst naturnah auf der Weide leben, gleichzeitig aber „wolfssicher“ eingezäunt sein. Solche Zäune werden häufig als einfache Lösung dargestellt, sind in der Praxis jedoch auf vielen Flächen kaum umsetzbar, teuer und bieten keinen hundertprozentigen Schutz.
Auch die gesellschaftliche Diskussion über Tierwohl betrifft die Schafhalter. Zum einen wird gefordert, die Tiere artgerecht auf der Weide zu halten. Gleichzeitig gibt es Kritik, wenn sie bei Wind und Wetter draußen stehen. Dabei sind Schafe durch ihre Wolle bestens gegen Regen und Kälte geschützt und werden mindestens einmal im Jahr geschoren.
Für viele Schäferinnen und Schäfer ist das Halten der Tiere aber viel mehr als nur ein Beruf oder Hobby. Die enge Bindung zu ihren Tieren, das Leben im Rhythmus der Natur und das Bewusstsein, etwas Sinnvolles für die Landschaft und die Gesellschaft zu tun, prägen ihren Alltag.
Im Tierschauzelt stehen die Züchterinnen und Züchter den Besuchern gern Rede und Antwort. Hier erfährt man alles über die Tiere, die Haltung und die Bedeutung der Schaf- und Ziegenhaltung in Schleswig-Holstein.
Ein besonderes Highlight ist die Landesschafschau mit Jungzüchterwettbewerb am Sonntag, den 7. September. Hier zeigen die Herdbuchzüchter aus dem ganzen Land ihre besten Tiere und der Nachwuchs beweist sein Können im Umgang mit den Tieren.
Janine Bruser
www.schaftzucht-kiel.de

